Wirbel um Baumprotest bei Auftakt zu Klima-Woche, Kronenzeitung Artikel

Zivilcourage für unsere Stadtbäume – Die ProPlanet Week, alte Bäume und die Verantwortung für St. Pöltens Zukunft

Die aktuelle Berichterstattung zur ProPlanet Week zeigt vor allem eines: Die Diskussion um unsere Stadt, ihre Zukunft und den Umgang mit unserem Naturerbe bewegt viele Menschen. Dass die Bürgerplattform mit ihrem Anliegen sichtbar wurde, ist kein Zufall – es ist Ausdruck einer wachsenden Sorge darüber, wie wir in St. Pölten mit jenen natürlichen Ressourcen umgehen, die unsere Stadt lebenswert machen.

Die Demonstration war kein Selbstzweck. Es geht um Lebensqualität, Gesundheit, Klimaanpassung, Biodiversität und um die Frage, welche Stadt wir kommenden Generationen hinterlassen wollen.

Gerade im Rahmen einer Klimawoche muss darüber gesprochen werden dürfen, wenn alte Bäume gefällt werden sollen. Denn Klimaschutz beginnt nicht erst bei großen Konzepten, sondern ganz konkret vor unserer Haustür: bei jedem Baum, der Schatten spendet; bei jedem Straßenzug, der an Hitzetagen erträglich bleibt; bei jedem Stück Stadtnatur, das Menschen, Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.

Große, alte Bäume sind in Zeiten zunehmender Hitzewellen weit mehr als ein schöner Anblick. Sie kühlen ihre Umgebung, verbessern das Mikroklima, speichern CO₂, filtern Staub, fördern die Biodiversität und leisten einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden. Wer an einem heißen Sommertag unter einem alten Baum steht, spürt unmittelbar, was Klimaanpassung bedeutet. Was in Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten gewachsen ist, lässt sich nicht durch junge Ersatzpflanzungen kurzfristig ausgleichen.

Deshalb war und ist es wichtig, eine Stimme zu erheben – nicht gegen Entwicklung, sondern für eine Entwicklung mit Weitblick.

Wir stellen uns nicht gegen notwendige Sanierungen. Wir stellen uns auch nicht gegen Fortschritt. Aber wir sind überzeugt: Fortschritt und Naturschutz dürfen kein Widerspruch sein. Die besten Lösungen entstehen dort, wo Planung, Politik, Wissenschaft und Bürger:innen gemeinsam nach Alternativen suchen, bevor irreversible Entscheidungen getroffen werden.

Die ProPlanet Week hat gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, sich mit Klima- und Umweltschutz auseinanderzusetzen. Workshops, Vorträge, Exkursionen und Mitmachaktionen rückten Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität in den Mittelpunkt. Genau dieses Engagement sollte ernst genommen werden – auch dann, wenn Bürger:innen unbequeme Fragen stellen.

Wir wünschen uns eine Stadtpolitik, die Beteiligung nicht als Störung versteht, sondern als Chance

Denn Bürger:innen, die sich für Bäume, Grünräume und eine lebenswerte Stadt einsetzen, handeln nicht aus Protestlust. Sie handeln aus Verantwortung. Sie machen sichtbar, dass es bei einzelnen Baumfällungen immer auch um ein größeres Thema geht: Wie widerstandsfähig ist unsere Stadt gegenüber Hitze? Wie gehen wir mit Natur im urbanen Raum um? Und welchen Wert messen wir gewachsenen Grünstrukturen bei?

Die Entscheidungen, die wir heute treffen, prägen die Lebensqualität der nächsten Jahrzehnte

Deshalb braucht es Transparenz, echte Prüfung von Alternativen und einen offenen Dialog mit der Bevölkerung. St. Pölten kann zeigen, dass Stadtentwicklung und Klimaschutz gemeinsam gedacht werden können. Dazu braucht es Mut, Sorgfalt und die Bereitschaft, alte Routinen zu hinterfragen.

Unsere Bürgerplattform wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Naturerbe, Lebensqualität und Klimaanpassung in St. Pölten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Alte Bäume sind keine Hindernisse auf dem Weg in die Zukunft. Sie sind ein Teil dieser Zukunft.

Die Aussagen der Klimaökonomin Sigrid Stagl zeigen, dass unsere Vorgehensweise richtig und notwendig ist

siehe https://www.wienerzeitung.at/a/klimaschutz-mitgestalten-statt-verzichten und https://fridaysforfuture.at/presse/protest-in-alpbach-ankundigung-wochentliche-streiks-bis-10-10

Klimaschutz und der Schutz unserer Lebensgrundlagen sind keine Frage von Ideologie, sondern eine Aufgabe, die auf wissenschaftlichen Grundlagen, Verantwortung und Beteiligung beruhen muss. Wenn Bürger:innen aufstehen, Fragen stellen und Alternativen einfordern, ist das kein Störfaktor, sondern gelebte demokratische Verantwortung.

Sigrid Stagl spricht davon, dass Österreich den Mut brauche, die Klimarealität anzuerkennen und konsequent zu handeln. Genau diesen Mut braucht es auch auf kommunaler Ebene. Dort, wo Entscheidungen über Bäume, Grünräume, Versiegelung und Stadtentwicklung getroffen werden, geht es nicht nur um einzelne Projekte. Es geht um die Lebensqualität der Menschen, um Gesundheit, um Klimaanpassung und um Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.

Unsere Demonstration war daher ein Akt der Zivilcourage: friedlich, sichtbar und sachlich begründet. Gerade Stagls Betonung von Mitgestaltung und Beteiligung bestätigt: Menschen sollen nicht erst informiert werden, wenn Entscheidungen praktisch gefallen sind. Sie müssen rechtzeitig einbezogen werden, damit Wissen, Erfahrung und Verantwortung aus der Bevölkerung in die Planung einfließen können. Denn wer die Menschen beteiligt, schafft bessere Lösungen – und mehr Vertrauen.

Deshalb war es richtig, eine Stimme zu erheben. Nicht laut um der Lautstärke willen, sondern deutlich, weil alte Bäume, gewachsene Grünräume und klimaresiliente Stadtstrukturen nicht beliebig ersetzbar sind.

Was heute gefällt, versiegelt oder verbaut wird, fehlt morgen als Schatten, Kühlung, Lebensraum und Schutz vor Hitze. Unsere Stadt braucht Mut, Weitblick und echte Beteiligung. Genau dafür steht die Bürgerplattform.

Danke an alle mutigen MitstreiterInnen!!

 

Unter dem Artikel „Klima-Woche mit Schattenseiten“; am 28.06.2026 um 08:00 in der Rubrik Niederösterreich von Thomas Werth und Christoph Weisgram wird die Zivilccourage der Demonstranten hervorgehoben. 
Krone-ePaper zur Ausgabe 28.06.2026.https://www.krone.at/4196321  Danke